Exkursion an den PHOENIX See in Dortmund am 26. August 2017

Vor einigen Jahren stand in Hörde noch ein Stahlwerk. Dieses wurde 2001 stillgelegt und das gesamte Areal als Europas größtes Strukturwandelprojekt umgestaltet. Es entstand 2010 ein neuer kleiner See, eine Fläche für Industrieneuansiedlungen und ein neues Emscherbett. Eine Gruppe des BV Umwelt schaute sich am Samstag, den 26. August 2017 den PHOENIX See und den umliegenden Stadtteil an – geführt von Martina Stengert und Ute Goerke. Inhaltlich wurde der Spaziergang auch noch angereichert mit Informationen zur Klimafolgenanpassung, Schwermetallmessungen im See sowie zur möglichen Gentrifizierung im Stadtteil Hörde. Neuzugezogene am See suchen die Ruhe und den Komfort - Alteingesessene in oft nicht sanierten Wohnungen fühlen sich vernachlässigt oder verdrängt. Zum Abschluss gab Ute Goerke einen kurzen Einblick in das erste Generationen-übergreifende Wohnprojekt in Hörde, das 2012 stadtplanerisch innerhalb des Altwohnbestandes errichtet wurde.


Foto 1: Kopf und Bauch sind anschließend wohlgefüllt (Foto: J. Brackmann)

Hörde mit dem PHOENIX See und dem neuen Gewerbegebiet gilt als ein Modell des Strukturwandels. In den östlichen Teil – See und Emscher mit Randbebauung – flossen ca. 230 Mio. € für Abbau, Aushebung, Sanierung und Neugestaltung. Im Fokus standen die Emscher-Renaturierung, der Hochwasserschutz der umliegenden dichten Wohnbebauung im Zusammenhang mit der Entwicklung von diversen Freizeitnutzungen am und auf dem 24 ha großen See.




Foto 2 und 3: abfotografierte Tafel am PHOENIX See mit einem Luftbild des alten Stahlwerks (links) und des neuen Sees (rechts) (Fotos: J. Brackmann)

Im Zuge der Industrialisierung, den Bergbau bedingten Bodensenkungen und des geringen Landschaftsgefälles verkam die Emscher über lange Zeit zur Kloake des Ruhrgebietes, einem versumpften Fäkalien mitführenden Abwasserfluss. Ab 1900 wurde die Emscher kanalisiert; unterirdische Abwasserrohre waren jedoch wegen der häufigen Schäden durch Bergsenkungen anfangs nicht möglich. Seit 1990 wird im gesamten Ruhrgebiet für die Emscher ein neues Flussbett gestaltet. Das breitere Emscherbett und eingebaute Regenrückhaltebecken sorgen für den Hochwasserschutz von Mensch und Infrastruktur bei Starkregenereignissen und bieten den Gewässerorganismen ‒ soweit in diesem hochurbanen Raum möglich ‒ einen deutlich natürlicheren Lebensraum.


Foto 4: Die renaturierte Emscher umfließt den PHOENIX See (Foto: J. Drewenskus)

In Dortmund hat sich inzwischen, nach der Fertigstellung des Sees im Jahr 2010, in dieser Stadtlandschaft und bei sehr hohen Besucherfrequenzen eine erfreulich naturnahe Flora und Fauna entwickeln können. Um das einmalige Projekt nicht zu gefährden wird mit einem umfangreichen Monitoring die Gewässergüte des Sees intensiv untersucht. So kann die ökologische Entwicklung beobachtet werden und ggfs. bei Gefährdungen der Wasserqualität in das künstliche entstandene System rechtzeitig eingriffen werden. So wurden z.B. Rotfedern und Hechte eingesetzt, um natürliche Feinde im Gewässersystem zu etablieren, die den Wasserpflanzenbestand und dem illegal eingesetzten Goldfischbestand etwas reduzieren sollen. Um eine Eutrophierung zu verhindern, arbeitet die Phosphat-Eliminierungsanlage am See und filtern Phosphat mittels Eisenhydroxid heraus. Der Zustand zur Wasserqualität und Lebensgemeinschaften wird nach den europäisch gültigen Umweltqualitätsnormen und Verfahren bewertet. Demnach hat der künstliche PHOENIX See ein „gutes ökologisches Potenzial“, die Nährstoffkonzentrationen entsprechen dem Gewässertyp und ein Eintrag stahlwerkstypischer Altlasten kann nicht  festgestellt werden. Viel weitere Informationen zum See und zum Monitoring werden auf der Webseite der Stadt Dortmund veröffentlicht werden. (https://www.dortmund.de/de/freizeit_und_kultur/phoenix_see_dortmund/der_...).

Text: Ute Goerke und Martina Stengert