Bericht vom Vortrag über „Die Zukunft unserer Milchwirtschaft“

Am 09.11.16 fand bereits die nächste Veranstaltung in diesem Rahmen statt, wiederum im Kulturzentrum Grend. Der Diplom-Ökologe Joachim Hartung vom Umweltministerium NRW, ein ehemaliger Absolvent des Ökologie-Studienganges der Universität Essen, referierte in einem äußerst informativen und interessanten Vortrag über „Die Zukunft unserer Milchwirtschaft“. Hierzu konnten wir auch einige Vertreter lokaler Einrichtungen (VHS, BUND, RVR) als Teilnehmer begrüßen.

Hier eine Zusammenfassung des Abends von Jörg Drewenskus:

 

Unser Referent, Herr Hartung, stellt die Grundzüge der Milchwirtschaft in Deutschland wie auch in der EU dar. Er berichtet, dass die EU der weltgrößte Milch-Erzeuger sei mit 166 Mio. t pro Jahr. Davon werden 33 Mio. t in Deutschland erzeugt. Deutschland liegt mit seiner Milchproduktion noch vor Frankreich. In den letzten Jahren hat Irland seine Milchproduktion um sagenhafte 13 % und die Niederländer um 7 Prozent gesteigert. In Deutschland gibt es zurzeit 71.000 Milchvieh-Betriebe die 4,2 Millionen Milchkühe halten. Davon haben 50 % mehr als 100 Milchkühe im Stall stehen. Bezogen auf NRW heißt das, dass 6.800 Milchvieh-Betriebe etwa 400.000 Milchkühe halten. Im letzten Jahr haben 6 % der Betriebe aufgegeben. In Nordrhein-Westfalen gibt es nur noch sieben Molkereien. Die Milchleistung einer Kuh liegt bei 22 l am Tag. Aus diesen 22 l können 5 kg Butter oder 2 kg Magermilchpulver oder 2,5 kg Schnittkäse hergestellt werden. Von der angelieferten Rohmilch werden 45 % zu Käse verarbeitet, 23 % zu Butter, bzw. Trinkmilch und 10 % zu Joghurt und Sahne. Exportartikel aus Milch sind Butter, Käse und Milchpulver. Etwa 50 % der Milchproduktion geht in den weltweiten Export, nur 37 % landen im Einzelhandel in Deutschland. Aufgrund des demographischen Wandels und des Vegan-Trends stagniert der Inlandsverbrauch in Deutschland. Herr Hartung berichtet von den stark schwankenden Milchpreisen. So wurden 2013 39,21 Cent pro Liter gezahlt, 2015 waren es nur noch 28,11 Cent, die bis in diesem Jahr sogar auf 20 Cent sanken. Etwa 5-7 % der Milchleistung können über die Menge und Zusammensetzung des Milchleistungsfutters gesteuert werden. Der Milchpreis für ökologisch erzeugte Milch ist im langjährigen Vergleich stabiler und liegt bei 46,8 Cent pro Liter. Die EU sieht gute Exportmöglichkeiten auf dem Weltmarkt und entsprechend werden die Milchvieh-Betriebe beraten. Trotzdem gab es 2008 eine Milchkrise in der EU. Als Reaktion darauf gibt es seitdem eine Milchmarkt-Beobachtungsstelle. Zudem gibt es ein EU Paket zur Milchreduzierung mit 150 Mio. € und zur Existenzsicherung mit 350 Mio. € Volumen. Dennoch reichen die vorhandenen Kriseninstrumente nicht aus, wie die Milchpreisentwicklung in diesem Jahr gezeigt hat. Ein Blick in unsere Nachbarländer zeigt, beispielsweise in Österreich, dass dort  regionale Produkte absolut bevorzugt werden. Auch die Franzosen geben mehr Geld für ihre Nahrungsmittel aus und die Landwirte zeigen ein anderes Auftreten gegenüber der Regierung und den Molkereien, indem sie zu Massendemonstrationen mobilisieren. Schon während des hochspannenden Vortrags konnten die Zuhörer Fragen stellen. So kam eine anregende Diskussion auf, die die absolute Umweltrelevanz der Milchwirtschaft weiter beleuchtete.

 

Daher ging der Vortragsabend auch erst nach über zwei Stunden zu Ende.